Lyocell ist eine Cellulose-Faser aus Holz, meist Eukalyptus oder Buche. Wir verwenden TENCEL™ Lyocell von Lenzing aus Österreich. Die Faser entsteht im Closed-Loop-Verfahren, bei dem über 99 Prozent des Lösungsmittels zurückgeführt werden. Sie fällt seidig, bleibt formstabil auch wenn sie nass wird, und ist laut Lenzing luftdurchlässig. In diesem Guide bekommst du eine ehrliche Einordnung: was Lyocell genau ist, wie es hergestellt wird, wie es sich gegen Modal und Baumwolle schlägt, wie du es pflegst und wo wir es bei erlich textil einsetzen, für Frauen und Männer.

Was ist Lyocell?

Lyocell ist eine Regeneratfaser aus 100 Prozent natürlicher Cellulose, gewonnen aus Holz. Die Faser gehört zur gleichen Familie wie Viskose und Modal: alle drei haben Cellulose als Rohstoff. Was Lyocell unterscheidet, ist das Herstellungsverfahren. Der Rohstoff bleibt Holz, der chemische Aufschluss läuft aber anders ab als bei Viskose oder Modal. Technisch ist Lyocell deshalb wie Modal semi-synthetisch: ein natürlicher Ausgangsstoff, der industriell zur Faser gesponnen wird.

Als Rohstoff dient bei Lyocell vor allem Eukalyptus oder Buche aus zertifizierter Forstwirtschaft. Eukalyptus wächst schnell und braucht wenig Wasser, Buche stammt häufig aus europäischen Wäldern. Beide werden bei Lenzing nach FSC- und PEFC-Standards eingekauft, also aus zertifizierter Forstwirtschaft.

TENCEL™ Lyocell vs. generisches Lyocell

Lyocell ist eine generische Faserbezeichnung, TENCEL™ ist die Marke. Wir verwenden bei erlich textil ausschließlich TENCEL™ Lyocell von Lenzing. Der Unterschied zu generischem Lyocell anderer Hersteller liegt in zwei Punkten: erstens die Holzquellen, Lenzing setzt auf FSC- und PEFC-Zertifizierung, zweitens das Verfahren, Lenzing arbeitet mit der originalen Closed-Loop-Technologie und veröffentlicht regelmäßig Daten dazu.

Wenn auf einem Pflegeetikett nur „Lyocell“ steht, hast du keine Information über die Herkunft des Holzes oder die Standards des Herstellers. Steht „TENCEL™ Lyocell“ oder „Lenzing Lyocell“ da, kennst du die Quelle.

Wie wird Lyocell hergestellt? Das Closed-Loop-Verfahren

Lyocell ist die jüngste der drei großen Cellulose-Fasern (Viskose, Modal, Lyocell). Hier die Schritte vereinfacht:

  • Holzgewinnung. Eukalyptus- oder Buchenholz aus FSC- und PEFC-zertifizierten Wäldern wird entrindet und zu Spänen verarbeitet.
  • Zellstoffgewinnung. Aus den Holzspänen wird reine Cellulose extrahiert.
  • Direktlösung mit NMMO. Die Cellulose wird in einem organischen Lösungsmittel namens N-Methylmorpholin-N-oxid (NMMO) gelöst. NMMO ist nicht akut toxisch.
  • Spinnen. Die zähflüssige Cellulose-Lösung wird durch feine Düsen in ein Fällbad gepresst, dabei verfestigt sich die Faser.
  • Lösungsmittel-Rückgewinnung. Über 99 Prozent des NMMO werden aus dem Fällbad zurückgewonnen und wieder in den Spinnprozess geführt. Das ist das Closed-Loop-Prinzip.
  • Verarbeitung. Die Fasern werden zu Garn versponnen, gefärbt und zu Stoff verarbeitet.

Im Vergleich zu konventioneller Viskose fallen beim Lyocell-Verfahren die problematischen Schwefel-Chemikalien weg, und der Lösungsmittelkreislauf ist weitgehend geschlossen. Im Vergleich zu Modal nutzt Lyocell ein anderes Verfahren mit höherer Rückführungsrate.

Was Lyocell von anderen Cellulose-Fasern unterscheidet

Zwei konkrete Unterschiede:

  1. Closed-Loop. Über 99 Prozent NMMO-Rückgewinnung, laut Lenzing-Daten. Das Lösungsmittel wird also größtenteils wiederverwendet.
  2. Anderes Lösungsmittel. NMMO ist nicht akut toxisch, anders als die Schwefel-Verbindungen im Viskoseprozess.

Wichtig: Diese Vorteile gelten für die Faser-Produktion. Was danach passiert, also Färben, Konfektion, Transport, Tragen, Waschen, läuft bei Lyocell-Kleidung ähnlich wie bei anderen Geweben. Eine seriöse Gesamt-CO2-Bilanz hängt also nicht nur an der Faser, sondern an der gesamten Lieferkette.

Welche Eigenschaften hat Lyocell?

Lyocell hat ein klares Profil. Hier ist, was du auf der Haut spürst, und was die Faser technisch kann:

  • Seidig glatte Haptik, durch die glatte Faseroberfläche
  • Laut Lenzing luftdurchlässig, die Faser leitet Feuchtigkeit schnell nach außen
  • Formstabil auch im nassen Zustand, anders als Viskose oder Baumwolle
  • Glatte Faseroberfläche, dadurch weniger Reibung als bei rauen Naturfasern
  • Pflegeleicht, knittert wenig, leicht zu bügeln
  • Robust, hohe Reißfestigkeit auch nass

Die Faser ist auch der Allrounder für aktive Anwendungen. Wenn du viel schwitzt, ist Lyocell oft die bessere Wahl als Baumwolle, weil sie Feuchtigkeit ableitet statt zu speichern.

Woran erkennst du Lyocell im Etikett?

Im Pflegeetikett steht Lyocell entweder als Lyocell oder unter dem Markennamen TENCEL™ Lyocell. Beides bezeichnet dieselbe Faserart, TENCEL ist die Marke von Lenzing. Bei Unterwäsche findest du Lyocell fast immer in Kombination mit einem kleinen Elasthan-Anteil, weil der Stoff Stretch braucht. Nicht verwechseln: Viskose und Modal sind ebenfalls Cellulose-Fasern aus Holz, entstehen aber in anderen Verfahren. Steht nur Viskose auf dem Etikett, ist es kein Lyocell. Die exakte Zusammensetzung deines Modells steht bei uns auf jeder Produktseite.

Wenn du jetzt ein Modell suchst: schau dir unsere Lyocell-Slips für Frauen oder die Lyocell-Nachtwäsche an. Für Männer gibt es eine eigene Kollektion bei Lyocell für Männer.

Lyocell, Modal oder Baumwolle?

Kurz gesagt: Lyocell, wenn du aktive Tage, viel Bewegung oder besonders formstabile Basics willst. Modal, wenn dir seidiger Griff im Alltag wichtiger ist, das setzen wir gezielt nur im Frauen-Sortiment ein. Baumwolle, wenn du klassische Haptik magst oder besonders robuste Basics suchst. Den vollständigen Vergleich mit Tabelle haben wir in Lyocell vs. Baumwolle aufgeschlüsselt, die Modal-Spezifika stehen in Was ist Modal?.

Wie pflege ich Lyocell richtig?

Lyocell ist pflegeleicht und sehr robust, aber ein paar Regeln verlängern die Lebensdauer deutlich.

Waschen. Lyocell verträgt 30 bis 60 Grad, wir empfehlen aber maximal 40 Grad im Schonwaschgang mit Feinwaschmittel. Schleudere niedrig, 600 Umdrehungen pro Minute reichen. Pack Bralettes, BHs und Spitzen-Modelle in ein Wäschenetz, das schützt vor Reibung mit Haken und Verschlüssen anderer Wäsche.

Trocknen. Lyocell darf in den Trockner, sofern das Pflegeetikett es nicht ausschließt. Wir empfehlen trotzdem die Wäscheleine: schonender für die Faser und für deinen Stromverbrauch. Vorteil von Lyocell: die Faser bleibt auch nass formstabil, du musst große Teile also nicht zwingend im Liegen trocknen wie bei Modal.

Bügeln. Lyocell knittert wenig. Wenn du bügelst, niedrige bis mittlere Stufe, gerne mit Dampf.

Was du vermeiden solltest. Bleiche, sehr heiße Trocknergänge, scharfe Schleuderprogramme und aggressive Vollwaschmittel. Damit hält dein Lyocell-Stück deutlich länger formstabil und behält den seidigen Griff.

Welche Nachteile hat Lyocell?

Lyocell hat ein starkes Profil, aber kein Material kann alles. Vier Punkte, die du kennen solltest, bevor du dich entscheidest.

Der Preis. Lyocell ist in der Herstellung teurer als konventionelle Baumwolle. Das Closed-Loop-Verfahren, die Rückgewinnung des Lösungsmittels und die Zertifizierung der Holzquelle kosten Geld, und das steht am Ende im Preis.

Empfindlich gegen Hitze und Reibung. Sehr heiße Trocknergänge und scharfe Schleuderprogramme setzen der Faser zu. Bei dauerhaft falscher Pflege lösen sich an der Oberfläche feine Fasern, der Stoff wirkt dann matter und weniger glatt. Fachlich heißt das Fibrillation. Mit 40 Grad im Schonwaschgang und Lufttrocknen passiert das praktisch nicht.

Es wärmt nicht. Lyocell hat einen seidig-kühlen Griff und trocknet schnell. An warmen Tagen und in warmen Nächten ist genau das der Vorteil. Wenn du im Winter etwas suchst, das wärmt, ist ein dichterer Baumwoll- oder Flanellstoff die passendere Wahl.

Es bleibt ein industrieller Prozess. Lyocell ist eine regenerierte Cellulosefaser, keine Naturfaser, die direkt aus der Pflanze kommt. Der Rohstoff ist Holz, aber zwischen Baum und Garn liegt eine chemische Verarbeitung. Das Verfahren ist geschlossen und gewinnt das Lösungsmittel zurück, energiefrei ist es nicht.

Nichts davon ist ein Ausschlussgrund. Es hilft aber zu wissen, wofür die Faser gemacht ist und wofür nicht.

Wie nachhaltig ist Lyocell? Faktisch eingeordnet

Hier ist unsere Einordnung, ohne Greenwashing.

Was wir faktisch sagen können:

  • Eukalyptus- und Buchenholz aus FSC®- und PEFC™-zertifizierter Forstwirtschaft, laut Lenzing.
  • Closed-Loop-Verfahren mit über 99 Prozent NMMO-Rückgewinnung, laut Lenzing-Daten.
  • NMMO ist ein nicht akut toxisches Lösungsmittel, im Gegensatz zu den Schwefel-Verbindungen im Viskoseprozess.
  • Niedrigerer Wasserverbrauch in der Faser-Herstellung als bei Baumwolle, laut Lenzing.

Was wir nicht behaupten:

  • Lyocell ist nicht klimaneutral. Eine pauschale CO2-Bilanz ist auf Faser-Ebene seriös nicht machbar.
  • Lyocell ist nicht GOTS-zertifiziert. GOTS gilt für Naturfasern wie Baumwolle, nicht für Cellulose-Regenerat-Fasern.
  • Wir verzichten auf Claims wie „PFAS-frei“ oder „mikroplastik-frei“ ohne klare Studienlage.

Unsere Position: Die Faser allein ist kein Freifahrtschein. Was zählt, ist die gesamte Lieferkette und nicht nur die Faser. Unsere Produktionsbetriebe sind über Retraced erfasst und werden vor Aufnahme bewertet.

Lyocell bei erlich textil, für Frauen und Männer

Anders als Modal nutzen wir Lyocell in beiden Sortimenten, weil die Faser sowohl im Frauen- als auch im Männer-Bereich überzeugt.

Frauen. Lyocell findest du bei uns in Bodies, Slips, Strings und Nachtwäsche. Die exakte Faserzusammensetzung steht immer auf der Produktseite.

Männer. Bei Männern setzen wir auf Lyocell für die seidig glatte Richtung, weil wir bei Männern kein Modal führen. Du findest Lyocell in Boxershort-Modellen. Die Light-Touch-Kollektion ist unsere Hauptlinie aus TENCEL™ Lyocell für Männer.

Größen. Frauen XS bis XXL bei Unterteilen und Bodies, BHs in Kreuzgrößen 70 bis 95 mit Cups A bis E. Männer XS bis XXL bei Boxer und Oberteilen.

Produktion. TENCEL™ Lyocell kommt von Lenzing aus Österreich. Verarbeitet und genäht wird je nach Modell in Portugal oder in der Türkei.

Wenn du jetzt ein Modell suchst: schau dir Lyocell-Unterwäsche für Frauen, Lyocell-Oberteile oder die Lyocell-Kollektion für Männer an.

Häufige Fragen

Was ist Lyocell und woraus wird es gemacht?

Lyocell ist eine Cellulose-Faser aus Holz, hauptsächlich Eukalyptus oder Buche. Wir verwenden ausschließlich TENCEL™ Lyocell von Lenzing aus Österreich. Die Faser entsteht im Closed-Loop-Verfahren, bei dem über 99 Prozent des Lösungsmittels NMMO zurückgewonnen werden. Lyocell ist seidig und laut Lenzing luftdurchlässig.

Was ist der Unterschied zwischen Lyocell und Modal?

Beide sind Cellulose-Fasern von Lenzing, aber das Verfahren ist anders. Lyocell wird im Closed-Loop-Verfahren mit NMMO gemacht, über 99 Prozent Lösungsmittel-Rückgewinnung. Modal nutzt die Eco-Clean-Technologie mit sauerstoffbasierter Bleichchemie. Sensorisch ist Modal etwas seidiger, Lyocell etwas stabiler. Bei erlich textil setzen wir Lyocell sowohl bei Frauen als auch bei Männern ein, Modal dagegen nur bei Frauen.

Bei wie viel Grad wäschst du Lyocell?

Lyocell verträgt 30 bis 60 Grad. Wir empfehlen maximal 40 Grad im Schonwaschgang mit Feinwaschmittel, niedrige Schleuderzahl (max. 600 U/min), Wäschenetz für Spitze und Bralettes, keine Bleiche. So bleibt der seidige Griff lange erhalten.

Ist Lyocell wirklich nachhaltig?

Das hängt von deinen Kriterien ab. Faktisch: TENCEL™ Lyocell wird aus FSC- und PEFC-zertifiziertem Holz gewonnen, das Closed-Loop-Verfahren gewinnt laut Lenzing über 99 Prozent des Lösungsmittels zurück. Was Lyocell nicht ist: klimaneutral oder GOTS-zertifiziert. Solche pauschalen Claims führen wir nicht.

Welche Lyocell-Produkte führt erlich textil?

Bei Frauen Bodies, Slips, Strings, Oberteile, Loungewear und Nachtwäsche, eine Übersicht in unserer Lyocell-Unterwäsche für Frauen. Bei Männern Boxer, T-Shirts und Nachtwäsche in der Lyocell-Kollektion für Männer. Die exakte Faserzusammensetzung steht auf jeder Produktseite.

Hat Lyocell Nachteile?

Ja, drei relevante. Lyocell ist teurer als konventionelle Baumwolle, es reagiert empfindlich auf sehr heiße Trocknergänge und scharfes Schleudern, und es wärmt nicht, sondern fühlt sich angenehm kühl an. Für aktive Tage und warme Nächte ist genau das der Vorteil, im Winter greifst du eher zu dichterer Baumwolle.

Ist Lyocell für Bettwäsche geeignet?

Grundsätzlich ja, die Faser knittert wenig, trocknet schnell und liegt angenehm kühl auf der Haut. Unsere eigene Bettwäsche führen wir aktuell allerdings aus Baumwolle und Baumwolle-Leinen, nicht aus Lyocell. Wenn dich Bettwäsche-Materialien interessieren, findest du den Überblick in unserem Bettwäsche-Ratgeber.

Quellen

  • Lenzing, TENCEL™ Lyocell: Closed-Loop-Verfahren, NMMO, FSC/PEFC.
  • FSC: Forest Stewardship Council Forstzertifizierung.
  • PEFC: Programme for the Endorsement of Forest Certification.