Elasthan, Spandex und Lycra sind drei (Marken-)namen für dieselbe synthetische Faser. Diese Faser sorgt in fast jedem körpernahen Kleidungsstück für Stretch und Passform, ist aber selten allein im Stoff: ein Anteil von wenigen Prozent reicht aus. Wir erklären, was Elasthan kann, wo seine Schwächen liegen und welche Alternative wir bei erlich textil bereits einsetzen.
Elasthan, Spandex, Lycra: drei Namen, ein Material
Wenn du auf dem US-Etikett deiner Lieblingsleggings „spandex" liest und auf dem deutschen Etikett „Elasthan", meinen beide genau dieselbe Faser. Lycra steht ebenfalls für dasselbe Material, ist aber ein geschützter Markenname und kein eigenes Garn.
Elasthan, Spandex und Lycra im Vergleich
Die kurze Antwort auf die meistgestellte Frage: Ja, Elasthan und Spandex sind dasselbe Material. Der Unterschied liegt allein im Namen und darin, wer ihn benutzt.
| Bezeichnung | Was es ist | Wo gebräuchlich | Herkunft des Namens |
|---|---|---|---|
| Elasthan | Gattungsname der Faser, chemisch ein Polyurethan-Elastomer | Europa, in der EU-Textilkennzeichnung ist ausschließlich diese ausgeschriebene Bezeichnung zulässig | Abgeleitet von „elastisch" |
| Spandex | Exakt dieselbe Faser, nur anders benannt | USA und Kanada | Anagramm des englischen Worts „expands" |
| Lycra | Markenname für Elasthan, keine eigene Fasergattung | Weltweit als Marke auf Etiketten | 1962 von DuPont eingeführt, heute bei The Lycra Company |
Ein Material, drei Bezeichnungen. Chemisch ist es in allen drei Fällen ein Polyurethan-Elastomer, und genau dieser Aufbau erklärt die enorme Dehnbarkeit der Faser.
Wer hat Elasthan erfunden?
Die Faser entstand 1958 im Labor des US-Chemiekonzerns DuPont. Joseph C. Shivers tüftelte seit Anfang der 1950er Jahre an einer leichten, dehnbaren Alternative zu Gummifäden, die in körpernaher Kleidung damals üblich waren. Sein Ergebnis war ein Polymer, das die Elastizität von Gummi mit dem Tragekomfort einer Textilfaser verband. 1962 brachte DuPont die Faser unter dem Markennamen Lycra in den Handel. Die Markenrechte lagen später beim US-Unternehmen Invista und liegen heute bei The Lycra Company.
Warum heißt Spandex anders als Elasthan?
Der Name Spandex ist ein Anagramm des englischen Worts „expands" (dehnt sich aus). In Nordamerika hat sich diese Bezeichnung durchgesetzt. In Europa und den meisten anderen Regionen ist „Elasthan" der gängige Sammelbegriff für die Faser. Die EU-Textilkennzeichnung schreibt ausschließlich die ausgeschriebene Bezeichnung vor, im Deutschen also Elasthan und im Englischen Elastane. Abkürzungen wie EA sind auf EU-Etiketten nicht zulässig, auch wenn sie im Handel und in technischen Datenblättern verbreitet sind. Spandex wiederum ist die in den USA und Kanada übliche Bezeichnung für dasselbe Material, auf einem EU-Etikett steht sie nicht.
Was ist Lycra?
Lycra ist also kein eigenes Material, sondern ein Markenname. Vergleichbar mit Tempo für Papiertaschentücher. Wenn du Lycra auf einem Etikett siehst, weißt du, dass das Elasthan in deinem Kleidungsstück aus der Lycra-Produktion stammt. Daneben gibt es weitere Marken-Elasthane: Creora, Roica oder Dorlastan zum Beispiel. Jede dieser Marken stellt Elasthan-Garne her, die sich in Reinheit, Dehnungseigenschaften oder Nachhaltigkeitsprofil unterscheiden können.
Wie ist Elasthan aufgebaut?
Elasthan ist eine Chemiefaser. Im Detail handelt es sich um ein Polyether-Polyurea-Copolymer, das zu mindestens 85 Prozent aus Polyurethan besteht. Klingt sperrig, ist aber wichtig zu verstehen: zwei Bausteine sorgen für die Eigenschaften der Faser.
Polyurethan baut die langen, festen Molekülketten der Faser auf. Es liefert die Reißfestigkeit. Polyethylenglykol sitzt als weicher Block zwischen diesen Ketten und sorgt dafür, dass die Faser sich strecken und wieder in die Ursprungsform zurückkehren kann. Die Kombination ist das Geheimnis hinter der enormen Dehnbarkeit: Elasthan kann sich auf bis zu 600 Prozent seiner Ursprungslänge ausdehnen, ohne zu reißen. Bei kürzeren Dehnungen kehrt es jedes Mal in seine Ausgangsform zurück, ohne auszuleiern.
Anders als Gummi ist Elasthan dabei sehr leicht, beständig gegen Hautfette und Schweiß und unempfindlich gegen viele Chemikalien. Genau deshalb hat es Gummifäden in der Bekleidungsindustrie weitgehend abgelöst.
Was Elasthan in Unterwäsche bewirkt
Ein Kleidungsstück aus reinem Elasthan gibt es nicht. Die Faser wird immer mit anderen Materialien gemischt, sonst wäre der Stoff so dehnbar, dass er keine Form mehr halten würde. In unserer Unterwäsche reicht ein Anteil von rund drei bis zehn Prozent Elasthan in der Materialmischung, für Passform und Tragekomfort. Bei besonders elastischen Stoffen liegt der Anteil deutlich höher: unsere Iconic-Mesh-Kollektion etwa arbeitet mit 21% Elasthan, mehr dazu in unserem Guide Was ist Mesh?.
Typische Mischungen findest du bei uns in diesen Varianten:
- Modal mit Elasthan: weiches, fließendes Material, hoher Tragekomfort, leichte Stretchigkeit. Mehr dazu im Magazin-Artikel zu Modal und auf der Material-Seite Modal.
- Baumwolle mit Elasthan: dicht gestrickt, klassischer Baumwoll-Griff. Hintergründe im Artikel über kbA-Baumwolle.
- Spitze mit Elasthan: feine Struktur mit Halt.
Der kleine Elasthan-Anteil ist der Grund, warum eine gut gemachte Unterhose formstabil sitzt. Ohne Elasthan würde die Bündchenkante ausleiern, die Cup-Schale ihre Form verlieren und Slips schlicht herunterrutschen.
Wie nachhaltig ist Elasthan?
Konventionelles Elasthan ist nicht nachhaltig. Diese Aussage ist uns wichtig, weil viele Marken um diesen Punkt herumreden. Die Realität: Elasthan wird aus fossilen Rohstoffen hergestellt, die Produktion ist energieintensiv, und am Ende des Produktlebens ist die Faser kaum recycelbar. Sobald sie in einer Materialmischung mit Baumwolle oder Modal verarbeitet ist, lässt sie sich aktuell nicht mehr sauber von den anderen Fasern trennen.
Dazu kommt das Thema Mikroplastik. Wie alle synthetischen Fasern kann auch Elasthan beim Waschen mikroskopisch kleine Faserpartikel ins Abwasser abgeben. Der Anteil ist im Vergleich zu reinen Synthetik-Stoffen wie Polyester gering, weil Elasthan immer nur einen kleinen Teil der Materialmischung ausmacht. Vernachlässigbar ist er trotzdem nicht.
Unsere Position ist klar: Wir halten den Elasthan-Anteil in unseren Produkten so gering wie möglich, weil ein bisschen Stretch für die Passform notwendig ist. In ausgewählten Kollektionen nutzen wir deshalb das Stretch-Garn ROICA™ V550.
ROICA™ V550: die Elasthan-Alternative, die wir nutzen
ROICA™ V550 ist ein Stretch-Garn des japanischen Faserherstellers Asahi Kasei. Es ersetzt konventionelles Elasthan in der Materialmischung. Bei erlich textil setzen wir Roica V550 in ausgewählten Kollektionen ein, in denen Elasthan-Stretch gefragt ist.
Was ROICA™ V550 von Standard-Elasthan unterscheidet, kannst du an zwei konkreten Punkten festmachen:
1. Cradle to Cradle Material Health Gold laut Asahi Kasei. ROICA™ V550 besitzt ein zertifiziertes Cradle to Cradle Certified® Material Health Gold Level. Dieses Zertifikat bewertet, ob ein Material aus chemisch unbedenklichen Inhaltsstoffen besteht. Wichtig: Die Auszeichnung gilt für das Garn selbst, nicht automatisch für das fertige Kleidungsstück.
2. Teilweiser Abbau, nur unter industriellen Kompostierbedingungen. Das Elasthan Roica™ V550 baut sich laut Asahi Kasei im Labortest (ISO 14855) unter industriellen Kompostierbedingungen teilweise ab: zu 29,9% in 180 Tagen. In der Natur oder im Hausmüll passiert das nicht. Die Schwelle für „biologisch abbaubar“ erreicht es damit nicht. Ein Freifahrtschein für sorglosen Konsum ist es trotzdem nicht.
Mehr Hintergrund zur Faser und unserem Einsatz findest du auf unserer Material-Seite ROICA™.
Elasthan richtig pflegen
Elasthan ist temperaturempfindlich. Wer es lange behalten will, sollte beim Waschen und Trocknen ein paar Dinge beachten.
- Waschen bei maximal 40 °C, im Schonwaschgang. Heißere Temperaturen brechen die Polymerstruktur und das Kleidungsstück verliert seine Rückstellkraft. Das gilt auch für heiße Temperaturen im Trockner, daher am besten an der Luft trocknen.
- Auf Weichspüler verzichten. Er legt sich wie ein Film um die Faser und reduziert die Elastizität. Falls du etwas gegen Kalk im Wasser brauchst, tut ein kleiner Schuss klarer Essig im Weichspülerfach denselben Job.
- Liegend trocknen statt aufhängen. Nasses Material ist schwer, und das Eigengewicht zieht die Elasthan-Fäden in die Länge. Wäscheklammern hinterlassen Druckstellen, die sich nicht mehr ausarbeiten.
- Beim Bügeln niedrige Temperatur wählen. Meistens ist Bügeln aber überflüssig, weil Elasthan-Mischungen kaum knittern.
Wenn dein konkretes Stück eine abweichende Pflege braucht (zum Beispiel weil Spitze oder eine Spezialbeschichtung verarbeitet sind), steht das auf dem Pflegeetikett. Das hat immer Vorrang.
Häufige Fragen zu Elasthan
Ist Elasthan dasselbe wie Spandex?
Ja. Elasthan und Spandex bezeichnen exakt dieselbe synthetische Faser. „Spandex" ist die in Nordamerika gebräuchliche Bezeichnung, „Elasthan" der in der EU verbindlich vorgeschriebene Name. Lycra ist zusätzlich der Markenname eines spezifischen Elasthan-Herstellers.
Wieviel Elasthan steckt typischerweise in Unterwäsche?
In hochwertiger Unterwäsche liegt der Elasthan-Anteil meistens zwischen drei und zehn Prozent. Mehr ist selten nötig und führt häufig zu einem zu „gummiartigen" Tragegefühl. Weniger als zwei Prozent reichen oft nicht für stabile Bündchen und formstabile Passform.
Kann man Kleidung aus 100 Prozent Elasthan machen?
Nein. Pures Elasthan wäre so extrem dehnbar, dass das Kleidungsstück keine Form halten könnte. Außerdem ist Elasthan nicht luftdurchlässig genug, um direkt auf der Haut angenehm zu sein. Die Faser wird deshalb immer mit anderen Materialien wie Baumwolle, Modal, Lyocell oder Polyamid gemischt.
Ist Elasthan schädlich für die Haut?
Bei intakter Haut ist Elasthan in der Regel gut verträglich. Echte Elasthan-Allergien sind selten dokumentiert. Reizungen entstehen meist eher durch Farbstoffe, Ausrüstungschemikalien oder Schweißstau in eng anliegender synthetischer Kleidung. Wenn du empfindliche Haut hast, ist ein hoher Naturfaseranteil mit nur wenig Elasthan eine gute Wahl. Tipps dazu findest du im Magazin-Artikel zu Unterwäsche bei empfindlicher Haut.
Was ist der Unterschied zwischen Elasthan und Roica?
ROICA™ ist eine Marken-Familie für Stretch-Garne des Herstellers Asahi Kasei. Die Variante ROICA™ V550 ist ein Elasthan-Garn, das laut Asahi Kasei das Cradle to Cradle Certified® Material Health Gold Level erhalten hat (gilt für das Garn, nicht für das fertige Produkt). Das Elasthan Roica™ V550 baut sich laut Asahi Kasei im Labortest (ISO 14855) unter industriellen Kompostierbedingungen teilweise ab: zu 29,9% in 180 Tagen. In der Natur oder im Hausmüll passiert das nicht. Die Schwelle für „biologisch abbaubar“ erreicht es damit nicht. Technisch gehört es zur Elasthan-Familie, ist also chemisch verwandt mit klassischem Spandex, aber mit anderem Verhalten in der Produktion und am Ende des Produktlebens.
Wie wäscht man Kleidung mit Elasthan-Anteil?
Bei maximal 40 °C im Schonwaschgang, ohne Weichspüler, im Liegen trocknen. Höhere Temperaturen, Trockner und Wäscheklammern verkürzen die Lebensdauer der Faser deutlich. Wenn das Pflegeetikett deines Stücks etwas anderes empfiehlt, folge dem Etikett.
Woraus besteht Elasthan?
Elasthan ist ein synthetisches Polymer, genauer ein Polyether-Polyurea-Copolymer mit einem Polyurethan-Anteil von mindestens 85 Prozent. Die festen Polyurethan-Ketten geben der Faser Reißfestigkeit, weiche Segmente dazwischen sorgen dafür, dass sie sich dehnt und wieder in ihre Ausgangsform zurückgeht. Rohstoffbasis sind fossile Ausgangsstoffe: Elasthan entsteht im Chemiewerk, nicht auf dem Feld und nicht am Tier.
Ist Elasthan luftdurchlässig?
Für sich genommen nicht besonders. Elasthan nimmt kaum Feuchtigkeit auf und ist wenig luftdurchlässig, ein Stoff aus reinem Elasthan wäre auf der Haut unangenehm. In der Praxis fällt das weniger ins Gewicht, als es klingt: Elasthan steckt meist nur mit wenigen Prozent in der Mischung, das Trageklima bestimmt die Hauptfaser. Eine Baumwoll- oder Modalmischung mit fünf Prozent Elasthan ist luftdurchlässig, weil Baumwolle und Modal luftdurchlässig sind, nicht wegen des Elasthans.
Ist Elasthan ein Kunststoff?
Ja. Elasthan ist ein synthetisches Polymer auf Polyurethan-Basis und damit ein Kunststoff aus fossilen Rohstoffen. Es ist keine Naturfaser und auch keine Zellulosefaser wie Modal oder Lyocell. Genau deshalb halten wir den Anteil so gering wie möglich und setzen dort, wo es geht, auf das Stretch-Garn ROICA™ V550.
Elasthan oder Elastan: welche Schreibweise ist richtig?
Im Deutschen ist Elasthan die korrekte Schreibweise, und in der EU-Textilkennzeichnung ist ausschließlich diese ausgeschriebene Bezeichnung vorgeschrieben. Abkürzungen wie EA sind auf EU-Etiketten nicht zulässig, auch wenn sie im Handel und in technischen Datenblättern verbreitet sind. Elastan ohne h ist die skandinavische Variante, im Englischen heißt die Faser Elastane. Schreibungen wie elastine, elastene oder elastaine tauchen in Suchanfragen ständig auf, gemeint ist jedes Mal dieselbe Faser.
Quellen
- Asahi Kasei: ROICA™ V550 Produktdatenblatt und Zertifizierungsdetails.
- Cradle to Cradle Products Innovation Institute: öffentlicher Eintrag für ROICA™ V550 Japan BN.
- ISO 14855-1: Norm zur Bestimmung der aeroben biologischen Abbaubarkeit von Kunststoffen unter kontrollierten Kompostbedingungen.
- erlich textil: Material-Seiten zu Elasthan und ROICA™.










































