Spitze gehört zu den ältesten Ziertextilien Europas und liegt heute in fast jeder Wäscheschublade. Trotzdem wissen die wenigsten, was hinter dem feinen Stoff eigentlich steckt: Wie entsteht das durchbrochene Muster? Woraus besteht Spitze heute? Und kratzt sie wirklich? Hier findest du die Antworten, von der Definition über Herstellung und Spitzen-Arten bis zur richtigen Pflege.
Was ist Spitze?
Spitze ist ein durchbrochenes, ornamentales Textil. Das Muster entsteht nicht durch einen Aufdruck auf einem geschlossenen Stoff, sondern durch das Wechselspiel von dichten Motiven und offenen Flächen. Genau diese Öffnungen machen Spitze aus: Blüten, Ranken oder geometrische Formen zeichnen sich gegen einen transparenten Grund ab. Der Stoff selbst ist das Muster.
Historisch war Spitze reine Handarbeit und ein Statussymbol. Ab dem 16. Jahrhundert entstanden in Italien und Flandern die ersten großen Spitzenzentren, deren Kragen und Manschetten an europäischen Höfen begehrt waren. Ein einziges aufwendiges Stück konnte Monate an Arbeit bedeuten, entsprechend teuer wurde es gehandelt. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert übernahmen Maschinen die Herstellung, und aus dem Luxusgut wurde ein Stoff, den sich viele leisten konnten. Namen wie Chantilly, Valenciennes oder Plauener Spitze erinnern bis heute an Orte, die durch dieses Handwerk bekannt wurden. Heute begegnet dir Spitze vor allem bei Unterwäsche, Dessous und festlicher Kleidung, dazu bei Brautmode und als Detail an Oberteilen und Kleidern.
Wie wird Spitze hergestellt?
Über Jahrhunderte wurde Spitze von Hand gefertigt: geklöppelt, indem Dutzende Fäden auf einem Kissen systematisch umeinander gekreuzt wurden, oder mit der Nadel genäht, Stich für Stich auf einer vorgezeichneten Vorlage. Beide Techniken existieren als Handwerk bis heute, spielen für Kleidung aber kaum noch eine Rolle.
Moderne Spitze für Unterwäsche kommt von der Maschine, genauer: von Raschel- oder Jacquard-Wirkmaschinen. Dort wird die Spitze gewirkt, das heißt aus ineinandergreifenden Maschen gebildet, ähnlich wie beim Stricken, nur mit sehr feinen Fäden und in hohem Tempo. Damit ist Spitze streng genommen kein Gewebe, sondern ein Gewirk. Der Unterschied ist mehr als Wortklauberei: Maschen machen einen Stoff von Natur aus beweglicher als starr gekreuzte Fäden. Wird beim Wirken zusätzlich Elasthan direkt eingearbeitet, entsteht die dehnbare, anschmiegsame Spitze, die du von BHs, Bralettes und Slips kennst.
Welche Spitzen-Arten gibt es?
Klöppelspitze und Nadelspitze
Die beiden großen historischen Techniken. Klöppelspitze entsteht durch das Kreuzen und Verdrehen vieler einzelner Fäden, die auf kleinen Spulen, den Klöppeln, aufgewickelt sind. Nadelspitze wird allein mit Nadel und Faden aufgebaut und gilt als die aufwendigste Form überhaupt. Beide sind heute vor allem in der Tracht, bei Sammlerstücken und im Kunsthandwerk zu finden, für Unterwäsche haben sie keine praktische Bedeutung mehr.
Elastische Raschelspitze
Der Standard bei moderner Unterwäsche. Sie wird auf Raschel-Wirkmaschinen gewirkt, meist mit direkt eingearbeitetem Elasthan. So verbindet sie das ornamentale Muster klassischer Spitze mit der Dehnbarkeit, die Wäsche im Alltag braucht: Sie passt sich Bewegungen an, ohne ihre Form zu verlieren, und liegt leicht auf der Haut. Über Jacquard-Technik lassen sich dabei auch komplexe Motive umsetzen, von feinen Blüten bis zu grafischen Mustern.
Spitze oder Mesh?
Beide Stoffe sind transparent und leicht, werden aber oft verwechselt. Der Unterschied liegt im Muster: Mesh ist ein gleichmäßig feines Netz ohne ornamentale Motive, Spitze lebt genau von diesen Motiven. Mesh wirkt dadurch schlicht und glatt, Spitze verspielt und strukturiert. Was Mesh genau ist und wie es hergestellt wird, liest du in unserem Artikel Was ist Mesh?
Woraus besteht Spitze heute?
Früher wurde Spitze aus Leinen, Seide oder feinem Baumwollgarn gefertigt. Moderne Spitze besteht dagegen meist aus Polyamid, kombiniert mit einem Anteil Elasthan für die Dehnbarkeit. Das hat praktische Gründe: Polyamid lässt sich zu extrem feinen, gleichmäßigen Fäden verarbeiten, ist reißfest und behält auch nach vielen Wäschen seine Form. Für die filigranen Muster einer Wirkmaschine ist das ideal.
Ein konkretes Beispiel: Unsere Iconic-Lace-Kollektion etwa arbeitet mit 88% Polyamid und 12% Elasthan, der Zwickel besteht aus 95% kbA-Baumwolle und 5% Elasthan. Ein Teil des Polyamids ist die Faser Amni Soul Eco® von Fulgar, beim Elasthan kommt Roica™ V550 von Asahi Kasei zum Einsatz. Der Zwickel aus Baumwolle sitzt dort, wo der Stoff direkt auf empfindlicher Haut liegt und Feuchtigkeit aufnehmen soll.
Woran du gute Spitze erkennst? Am Griff und am Muster: Hochwertige Spitze fühlt sich geschmeidig an, nicht drahtig, die Motive sind sauber und gleichmäßig ausgearbeitet, und die Kanten fransen nicht aus. Auch das Rückstellvermögen zählt: Dehnst du den Stoff leicht und lässt los, sollte er in seine Form zurückfinden, statt auszuleiern.
Spitze bei erlich textil
Die Spitze unserer Kollektionen Iconic Lace und Dreamy Lace wird in Italien hergestellt, genäht werden die Teile in Ungarn. Bei anderen Spitzen-Kollektionen wie Classy Lace und Fluid Lace stammt die Spitze aus Italien oder der Türkei. Wichtig zu wissen: Kollektionsnamen sind keine Materialien. Die exakte Zusammensetzung deines Modells findest du immer auf der jeweiligen Produktseite.
Ob du Spitze trägst, wann und wie viel davon, entscheidest du. Manche tragen sie als Kontrast zum Alltag, andere einfach, weil ihnen das Muster gefällt, wieder andere gar nicht. Alles davon ist in Ordnung, denn Unterwäsche ist zuerst für dich da. Wenn du stöbern willst: Unsere Spitzenunterwäsche reicht vom BH über Bralettes und Bodies bis zum Slip.
Kratzt Spitze?
Die ehrliche Antwort: Das hängt von Qualität, Elasthan-Anteil und Verarbeitung ab. Günstige, steife Spitze mit harten Kanten kann auf der Haut unangenehm sein, vor allem an Stellen, wo der Stoff unter Spannung steht. Fein gewirkte, elastische Spitze mit flachen Nähten und weichen Bündchen spüren die meisten dagegen kaum. Worauf du achten kannst: flache oder sauber versäuberte Nähte, weiche Abschlüsse an Bund und Beinausschnitt und ein Elasthan-Anteil, der den Stoff geschmeidig statt starr macht. Und genauso ehrlich: Wer sehr empfindliche Haut hat, greift im Alltag vielleicht eher zu glatten Stoffen und trägt Spitze dann, wenn es passt.
Wie pflegst du Spitze?
Spitze ist feiner als die meisten anderen Wäschestoffe, die offenen Maschen können an Verschlüssen oder Reißverschlüssen hängen bleiben. Mit ein paar Handgriffen bleibt sie trotzdem lange schön:
- Wasche Spitze bei 30 °C im Schonwaschgang mit Feinwaschmittel.
- Nutze ein Wäschenetz, damit die feinen Maschen nicht an Haken oder Verschlüssen anderer Teile hängen bleiben.
- Gib Spitze nicht in den Trockner, die Hitze setzt dem Elasthan zu.
- Trockne sie liegend, so behält sie ihre Form.
Und prüfe im Zweifel das Pflegeetikett deines konkreten Modells, es hat immer das letzte Wort. Kleiner Nebeneffekt der schonenden Pflege: Sie spart Energie und verlängert die Lebensdauer deiner Wäsche, und ein Teil, das du länger trägst, muss seltener ersetzt werden.
Häufige Fragen
Kratzt Spitze auf der Haut?
Das kommt auf Qualität und Verarbeitung an. Fein gewirkte, elastische Spitze mit flachen Nähten und weichen Bündchen spüren die meisten kaum. Steife Spitze mit harten Kanten kann dagegen unangenehm sein. Wer sehr empfindliche Haut hat, greift im Alltag eher zu glatten Stoffen.
Welche Chemie steckt in Spitze?
Moderne Spitze besteht meist aus synthetischen Fasern wie Polyamid und Elasthan. Wenn du wissen willst, was in einem konkreten Produkt steckt, findest du die genaue Materialzusammensetzung auf jeder Produktseite.
Was ist der Unterschied zwischen Spitze und Mesh?
Spitze zeigt ein ornamentales Muster aus dichten Motiven und offenen Flächen. Mesh ist ein gleichmäßig feines Netz ohne Muster. Beide sind transparent, wirken aber sehr unterschiedlich: Spitze verspielt und strukturiert, Mesh schlicht und glatt.
Wie wäschst du Spitze?
Bei 30 °C im Schonwaschgang, am besten im Wäschenetz. Nicht in den Trockner geben, sondern liegend trocknen. Prüfe zusätzlich das Pflegeetikett deines Modells.
Ist Spitze nachhaltig?
Das kommt auf Fasern, Herstellung und Nutzungsdauer an, ein pauschales Ja oder Nein gibt es nicht. Bei erlich wird die Spitze von Iconic Lace und Dreamy Lace in Italien hergestellt, genäht wird in Ungarn, der Zwickel besteht aus kbA-Baumwolle. Je länger du ein Teil trägst, desto besser fällt seine Bilanz aus.










































