Mehr als 200 Textilunternehmen aus mehr als 20 Ländern unterzeichneten im Mai 2013 ein Abkommen über Brand- und Gebäudesicherheit in Bangladesch, das mehr als 1.600 Fabriken und 2 Millionen Beschäftigte betrifft. Es entfachte sich eine Debatte über die Missstände in der globalen Textilindustrie: Unterdurchschnittliche Löhne, übermäßig lange Arbeitstage, Kinderarbeit und wenig Freizeit, keine Gewerkschaften, ungeschützter Umgang mit Chemikalien und fehlende Brandschutzbestimmungen sind nur einige der Probleme in der Branche. Viele der betroffenen Unternehmen zahlten Geld in einen Entschädigungsfond, geleitet von der Internationalen Arbeitsorganisation der United Nations: ILO (International Labor Organization).
Außerdem verschrieben sich viele dazu sich ihrer unternehmerischen Verantwortung in der Lieferkette zu widmen. Trotzdem gibt es nach wie vor schwerwiegende Probleme in der globale Textilindustrie. Die damalige Regierung stellte einen Handlungsplan auf : Bis 2015 sollten alle 3.632 Textilfabriken überprüft werden. 39 mussten geschlossen werden, 38 weitere mussten Teilbereiche stilllegen. Die ILO bildete 200 Inspeukteure aus, die seitdem die Sicherheitsstandards überwachen.
Im Jahr 2017 erhalten 800.000 Arbeiter:innen Schulungen zu Schutz & Gesundheit am Arbeitsplatz. Trotz Erlaubnis zur Gewerkschaftsbildung, kommt es bei Streiks & Demonstrationen durch Arbeiter:innen, nach wie vor zu Kündigungen. Der Mindestlohn wurde zwar ebenfalls erhöht – er liegt nun für Näherinnen bei knapp 80 Euro monatlich – ist jedoch gemessen am nationalen Durchschnittseinkommen und auch im Vergleich zum Lohnniveau in anderen süd- und ostasiatischen Ländern weiterhin niedrig. Das bedeutet, dass der Mindestlohn zuvor so niedrig war, dass die Erhöhung nur bei einem geringen Anteil der Belegschaften gegriffen hatte.
Außerdem wurde die vertragliche Situation der Arbeiter:innen prekärer. Unsichere Arbeitsverhältnisse & sinkende Löhne, vor allem der Frauen, trotz gesetzlichem Mindestlohn. Diese schlechten Entwicklungen wurden noch weiter durch die Coronapandemie bestärkt, da hier für längere Zeiträume keine Inspektionen durch Zertifizierungsstellen vor Ort möglich waren und Markentextilfirmen, die ihre Lieferanten in Bangladesch zu höheren Arbeitsstandards nötigen und gleichzeitig die ohnehin niedrigen Abnahmepreise drücken.
Die Frage die sich stellt: scheinen stärker die heimische Öffentlichkeit als das Wohl der Arbeiterinnen und Arbeiter in Bangladesch im Sinn gehabt zu haben!? Das ist kein echter Wandel. Die Arbeiter:innen zahlen dann sozusagen ihren Arbeitsschutz von ihrem Gehalt.